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Dienstag, 16. März 2010

Abzocker

Komisch, eigentlich sind diese Kerle doch am Pokertisch zuhause. Aber dafür sind sie wohl zu unehrlich geworden und tummeln sich jetzt nur noch in Banken und Aktiengesellschaften.
Ein Abzocker ist doch einer, welcher andere übers Ohr haut und entsprechend (un-)gehörig blufft. Ich glaube, es würde uns noch zusätzlich bekümmern, wenn wir ein Gefühl dafür bekämen, dass diese Abzocker sich selbst ganz anders sehen. Sie finden nämlich, dass sie verdienen, was sie bekommen. Und dies nicht etwa, weil sie so abgefeimt wären, wie wir es uns selbst gar nicht vorstellen können. Nein. Im Grunde sind sie Kinder der gleichen Gesellschaft wie wir. Sie glauben an das, was man uns selbst auch immer predigt und von dem wir ein Teil sind, so sehr, dass wir tatsächlich meinen, wir würden deswegen ernst genommen: Diese Herren glauben an und sehen sich als Teil des Marktes:
Was sie verdienen, verdienen sie wirklich . Sie haben einen Marktwert. Und wenn dieser nicht zahlt, der andere würde sicher zahlen. Und falsch liegen sie damit nicht. Warum das so ist?
Weil die Gierigien (also auch jene unter den Abzockern, welche wirklich das Talent zum Halunken haben) mit vollen Taschen jene Gierigen hinter sich wissen,welche ihre Taschen auch so voll kriegen wollen.
Und deswegen verdienen Kundenberater eben so viel, wie die Kunden in ihrem Rücken wert sind. Und die Konzernspitzen? Die Industriekapitäne, die als Manager mit goldensten Fallschirmen von Risiken reden? Auch sie sind Teil eines Marktes.
Und gegen den kommen wir nicht an. Er ist nicht greifbar. Aber allgegenwärtig. Wir sind als Konsumenten alle dieser Markt. Und wir würden wohl erschrecken, würde uns wirklich einmal aufgezeigt, wieviel Geld in unsere Beeinflussung investiert wird - und wie sehr wir mit unseren Verhalten mit ein Grund dafür sind, dass sich andere fühlen können wie die Masters of the Universe.
Wir drehen alle ein Rad mit, das die Welt nicht braucht. Und wir auch nicht für den Unterhalt unserer wirklichen Bedürfnisse.
Im Grunde also gibt es nur die eine grosse Abzocke:
Wir zocken uns die Natur aus unserem Leben und die Welt wird sich irgendwann ohne uns weiter drehen. Denn eines ist klar: Am Ende gewinnt die Bank. Nur im Film mag das einmal anders sein. In der Realität aber hat die Welt das Sauerstoffmonopol, während uns die Luft ausgehen wird.

Mittwoch, 18. April 2007

Traumurlaub

Wenig ist uns so heilig wie der Urlaub. Entsprechend stinkig werden wir, wenn in diesen heiligen Wochen etwas nicht klappt. Und so klappt es dann auch oft nicht, zum Beispiel nicht zwischen den Partnern. Zumindest dann, wenn es zuvor schon nicht geklappt hat und man meint, im Urlaub könne man sich zu diesem Thema weiter anschweigen. Urlaub ist also ein Indikator für Gültiges. Und oft viel zu wenig ein Traum...
Aber es muss ja nicht so sein. Vor allem dann nicht, wenn da Anreize gesetzt werden, die einem zeigen, was die Welt alles an Entdeckungen bereit hält. Urlaub als Traum ist daher für mich immer ein Reisen, nie ein Ankommen an einem Punkt, an dem ich dann absinke.
Ich lasse die Seele lieber baumeln, indem ich ihr nachlaufe, an jene Orte, wo sie sich wohl fühlt, wo ich sie klingen höre. Das ist auf Reisen fast automatisch so. Landschaften, die für irgend wen Heimat sein mögen, ziehen vorbei. Alles ist im Fluss, auch ich. Ein Gefühl, eine Offenbarung ist das. und ein Fest. Reisen zu können, das ist für mich die grösste Gunst, die uns die ungerecht verteilende Welt erweist - und der Ansatz dessen, was wir umgekehrt daraus lernen und zurück geben können.
Ein Traumurlaub ist also angeregt vom Erleben des Reisens, vom Unterwegssein, von Begegnungen. Ein Traumurlaub erschliesst ein Stück Fremde, bricht es auf, öffnet es und zeigt mir dadurch Facetten meiner Wurzelstöcke, die ich zuvor nicht kannte.
Ein Traumurlaub ist ein Fest der Erfahrung ruhender Schwerpunkte, die nie aus der Balance bewegt werden können, während ich aus dem "fahrenden Fenster" blicke. Dieser Urlaub ist angereichert und überquellend an Eindrücken für meine Sinne. Alle meine Sinnenenden sind Knospen. Ich habe Geschmacksknospen auf der Haut, Fingerbeeren auf der Zunge, Augen in den Händen, Gerüche im Ohr, zumindest zu Anfang. Und dann, irgendwann, viel zu spät, bekommt alles seinen Platz, und ich nutze die Sinne, wie sie gedacht sind. Nur intensiver.
Und dann, bevor ich nach Hause zurück gehe, denke ich: Hier könnte ich zu Hause sein in meinen Bewegungen. Wenn ich so abreise, dann hatte ich meinen Traumurlaub.

Sonntag, 1. April 2007

Ausland

Von dort kommen die Ausländer. Die machen uns Angst. Die wollen etwas von uns. Die machen sich breit.
Wir fahren ins Ausland in die Ferien. Da bringen wir unser Geld hin, obwohl das Essen da nicht so gut ist wie bei uns. Nichts ist so gut wie bei uns, aber das wissen wir schon im voraus, und es ist uns hoch anzurechnen, dass wir es vor Ort überprüfen.
Ins Ausland fahren ist aus dem Land fahren. Das sagt ja schon alles.

Ernsthaft:
Ausland ist ausserhalb. Gucke ich rüber und lasse ich mich ansprechen, so bekomme ich was von aussen. Nachbarschaft. Ausland - ein starkes Wort für Fremde. Eigentlich ein Unwort. Scheinbar ohne Wertung. Und doch mit Gewichtung. Meistens zumindest. Irgendwie fern, nicht nur fremd.
Wer gerne reist, spricht eigentlich kaum je vom Ausland. Er spricht von fernen Ländern. Im Dialekt tönt es irgendwie bejahender: "Im Ussland."
Da ist es ja schon fast, der Hauch des Abenteuers.
Im Ausland bin ich selbst Ausländer. Erfahrene Gastfreundschaft ist daher im Ausland ein Riesenerlebnis. Und irgendwie ist Dir jederzeit klar: Nichts daran ist selbstverständlich. Alles daran aber ist bereichernd. Neugierde, ich darf sie haben. Ich darf fragen. Fremd zu sein, darf, bei wohlwollender Umgebung, auch die Freiheit bieten, Fremdes vertraut werden zu lassen. Zeige höfliche Neugier, gilt dabei, und man wird Dir fehlende Etikette der örtlichen Gepflogenheiten sehr viel leichter nachsehen.
Gastfreundschaft erleben dürfen, umgekehrt auch die Neugier des Gastgebers zu spüren, das ist wunderbar. Das ist Geschenk.
Ausland ist ein aus-der-Haut-fahren auch, ins Ausland fahren heisst auch, seine Wurzeln überprüfen. Bin ich gefestigt genug, nicht unter der Unsicherheit im Ausland zu leiden? Wie fühle ich mich als Ausländer? Wer bin ich wirklich? Wo und wie bin ich Heimländer? Inländer? Was wäre der Kontrapunkt? Draussen und drinnen, das tönt nach Gartenzaun, und der ist nicht nur zwischen Nachbarn oft eher ein kümmerliches Zeichen. Fast jedes Ausland lehrt mich mehr über mich selbst, mein Sein auf jedem Flecken Erde.
Ausland - ein Wort fordert einen Klang. Eine Geste vielleicht auch. Ist es eine Handbewegung von mir weg, oder ein sich öffnender Arm?
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