Eine Idee - ein Gedanke, wie wir ihn vielleicht zu tausenden tagtäglich haben. Aber manchmal, ganz selten vielleicht, steht er uns zuvorderst - und wenn wir ihn dann packen, dann, ja dann kann er vielleicht ein Sämchen werden, das wir in die Erde pflanzen, dorthin, wo in unserem Kopf der Mut wächst, um ein Projekt wirklich anzugehen.
Meist läuft es ja anders: Wir sind gegenüber unseren Impulsen, unseren Ideen, die ersten Kritiker, und die gnadenlosesten. Wir schmeissen jede spontane Idee in die Tonne, als würden wir damit uns selbst gleich noch tadeln wollen, gleichsam erschreckt ab so viel Originalität.
Wo kommt sie eigentlich her, so plötzlich, diese Idee? Und wie ändern wir unsere Reflexe und nehmen einmal auf, was uns so alles an einem Tag einfällt?
Wie wäre es mit Aufschreiben? Heute haben wir iPad, Handy-Notizfunktion oder den guten alten Stift samt Zettel meist gar nicht unerreichbar weit weg. Wenn wir "es" aufschreiben, fangen wir den Gedanken einmal ein und legen ihn hin. Nicht wirklich weg. Auf jeden Fall liegt er noch nicht in der Tonne.
Die Idee hat mit uns zu tun. Wo auch immer sie herkommt, sie ist eine Reaktion auf unsere Empfindungen und Wahrnehmungen, ein Stück Kreativität - und auch ein Indikator dafür, was wir in unserem eigenen Leben verbessert haben möchten. Ideen sind Leben, Lebendigkeit, das Ergebnis von Neugierde und Mut zu Naivität und Farbe. Vielleicht aber ist die Idee auch eine ganz praktische Schwester und legt eine einfache Änderung der eigenen Organisation nahe - und schon haben wir davon für viele weitere Handreichungen des weiteren Lebens eine Hilfe für uns geschaffen. Oft ist es doch so:
Wir sind uns gar nicht bewusst, wie viel gestalterische Kraft unser Hirn tagtäglich aufbringt, wie praktisch wir eigentlich sind. Wenn wir uns aber beobachten lernen, werden wir feststellen, dass da viel mehr wäre - wir müssten es nur zulassen.
Der Appetit kommt mit dem Essen. Und um eine Idee zu verwirklichen, sind oft weitere Ideen gefragt. Wir können davon eine ganze Menge entdecken - und dabei selbst unser Leben farbiger machen, zum Erlebnis. Selbst dann, wenn die Ideen scheitern - NACHDEM wir sie geprüft haben.
Thinkabout - 2011.10.31, 15:05
Wir können es in den Nachrichten hören, und haben den Ausspruch wohl auch selbst oft sehr schnell auf den Lippen:
Etwas "Schlimmes" geschieht - und wir sind schockiert. Das Wort hat eine inflationäre Häufung erfahren - und nutzt sich dabei ab. Dabei müssten wir uns doch selbst bei den furchtbarsten Ereignissen immer auch fragen:
Was bedeutet unsere Reaktion? Liegt ein solches Geschehen nicht immer in der Natur des Lebens? Da es keine Garantien auf Unversehrtheit gibt, ist jede Form von Katastrophe immer möglich. In der Art und Weise, wie wir solche Dinge kommentieren, legen wir auch offen, wie weit weg wir von diesem Bewusstsein in unseren sorglosen Alltagsverstrickungen sind.
Besonders störend wird es, wenn wir "schockiert" sind über Dinge, die nach Hörensagen geschehen, also gewissermassen weit weg sind (und im Grunde bleiben). Denn, sind wir ehrlich, kurz nach dem "Schock" hat uns unser Alltag wieder.
Wäre es da nicht viel ehrlicher, tiefgründiger und wertvoller, wir würden das nächste schockierende Ereignis dazu benutzen, uns wieder einmal bewusst zu machen, dass nichts, wirklich rein gar nichts an unserem nächsten guten Tag selbstverständlich ist. Und würde bei uns allen nicht mehr Platz für einen Moment der Trauer bleiben, wenn wir das mit dem Schock ganz speditiv hinter uns liessen und dem Leid wirklich einen Moment Aufmerksamkeit schenken würden? Hinter dem Schock als Sensation steckt unsere eigene Angst - oder die sofort einsetzende Verdrängung eines Verlustes.
Ist dieser Verlust ein tatsächlicher, berührt er mein eigenes Leben, stirbt ein Freund oder geschieht ein Unglück, ein Unfall in meinem engen Bekanntenkreis, so ist doch erst recht "Schock" ein untaugliches Wort. Wir sind bestürzt, aufgewühlt, traurig, hilflos, möchten die Uhr einen Tag zurück drehen und eine Weiche stellen können - und wir hadern mit dem, der es an unserer Stelle nicht getan hat, egal, ob wir überhaupt an ihn glauben.
Und wer schockiert ist über ein bestimmtes Verhalten anderer, das er nicht goutieren mag, ist auch in diesem Urteil oft so vorschnell, wie laut: Niemand muss billigen, was andere tun, und er kann und soll es für sich selbst mit jenen Regeln halten, die ihm Orientierung und Sicherheit geben - und seinen Nächsten mit ihm. Wer aber schockiert ist, möchte am Ende ganz schnell mit anderen im Verbund den Zeigefinger erheben - das kann mich immer wieder mal tatsächlich schockieren - wobei auch ich mit dieser Aussage ganz bewusst schon eine gewisse Polemik ins Spiel bringe - einen Hader, der sich eine Korrektur des Faktischen wünscht...
Thinkabout - 2011.10.22, 21:12
Ausländer - das sind "die anderen". Die Fremden. Oder wir, sobald wir ins Ausland fahren. Das vergessen wir gern, weil wir dabei womöglich die Anspruchshaltung des Touristen mit uns führen, die uns erwarten lässt, dass man uns für unser Geld unterhält. Oder aber wir gefallen uns in unserer Weltläufigkeit und in der Bereitschaft, mit ein paar Worthülsen in fremder Sprache unsere kosmopolitische Ausstrahlung zu beweisen.
Ausländer kommen aus Ländern. Je fremder uns diese sind, um so fremder und bedrohlicher müssen die Menschen sein, die von da kommen. Um sich in ihrer Haut zu denken, reicht es aus, sich vorzustellen, wie wir wohl agieren würden, wenn wir Ausländer in deren Land wären? Die wirtschaftliche Diskrepanz lässt uns vom hohen Ross hinunter sagen, dass wir ja nicht im Traum daran denken müssten, dass...
Gerade unser Wohlstand rührt aber (auch) daher, dass viele unserer Vorfahren selbst bereit auf Wanderschaft gingen, sich als Ausländer behaupteten - während jüngere Generationen in jenem Wohlstand sitzen, den Gastarbeiter vor Ort für uns mit erschaffen haben.
Ausländer bringen Kultur mit. Immer. Eine eigene. Sie sind der wohl mindestens so nah wie wir der unseren. Oder näher. Und womöglich ist genau das ein Problem für uns. Ausländer zu sein, bedeutet, beobachtet zu werden. Geprüft. Beurteilt. Und jedermann scheint ein Recht darauf zu haben.
Was wäre, wenn kein Ausländer je daran denken würde, unser Land zu besuchen? Wenn alles an uns für sie Ausland wäre? Fremd. Unattraktiv.
Dass dem nicht so ist, hat kaum mit unseren Betonköpfen zu tun. Sondern mit integrativer Kraft, aus der gemeinsame tolle Projekte werden.
Wie Alinghi. Ein Schweizer Projekt mit sehr vielen Ausländern. Es ist genau diese Art der Vereinigung im gemeinsamen Ziel, welche uns stark macht. Und die Ausländer bei uns von Exoten zu Bürgern macht. Für einen weiten Horizont voller Neugier auf das Fremde, das kennen gelernt werden will. Darum brauchen wir auch Ausländer, die nicht Ausländer bleiben wollen.
Thinkabout - 2011.06.29, 13:08
Die Erde, die Natur, sagen wir, gerate aus dem Gleichgewicht. Wir sind eine zu grosse Bealstung für sie. Aber stimmt das auch?
Gerade, weil die Erde doch reagiert, weil die Natur sich verändert, wird doch dadurch das immerwährende Gleichgewicht bewiesen und bewahrt: Die Katastrophe ist nötig, damit ein wieder ruhigeres Gleichgewicht entsteht.
Nach dem Beben der Erde gibt es eine neue Ruhe, nach der Flut neues Wachstum... Was wir erkennen und verhindern wollen, ist die Veränderung. Das Gleichgewicht, das innerste Lebensprinzip, der Ursprung allen Werdens - wir sind ein Teil davon, und deshalb vermögen auch wir dies niemals auszulöschen. Wir können uns selbst ins Verderben reiten, und wahrscheinlich noch viel gründlicher, als wir das heute für möglich halten. Und vielleicht auch viel schneller. Aber die Erde wird nur wegen uns nicht untergehen oder verglühen.
Es ist in allem unsere unglaublich verbretterte, unvernetzte, kurzsichtige Denke und Beobachtungsfähigkeit, die uns nicht die nötige Sorgfalt für uns selbst entwickeln lässt, aber erst recht nicht den Blick für alles, was viel gewaltiger über uns herrscht, als es wir je erfassen könnten.
Wenn unser Hirn sich im Triumph versteigt, wir hätten die Welt und uns selbst entschlüsselt, so gerät dadurch allenfalls unser eigenes inneres Gleichgewicht durcheinander. Mit dem Prinzip, das uns überhaupt zu solchen Sichtweisen verleitet, bleibt alles in Ordnung. Wir erfüllen das, was uns bestimmt ist. Als Menschheit. Der Einzelne aber kann sehr wohl zu seinem ganz persönlichen Gleichgewicht beitragen.
Nirgends steht geschrieben, dass ich den Konsumrausch teilen muss, die Muslimangst oder den Nachbarneid. Ich kann sehr wohl sehr gelassen das Gleichgewicht des Friedens wahren, zu dem ich in mir alle Talente mit angelegt bekommen habe, lange vor dem Tag, an dem meinem Mund zum ersten Mal die forderndsten Schreie entwichen sind, die man sich vorstellen kann. Oder war darin Angst, Anklage, Schrecken - oder als Antwort und Beruhigung Fürsorge, Liebe und Güte?
In uns liegt das Geheimnis unseres Gleichgewichts. Mehr haben wir uns und der Welt nicht zu bieten.
Thinkabout - 2011.03.08, 14:22
Ich glaube, ich stehe mit keinem anderen Wort so sehr auf Kriegsfuss, wie mit diesem Begriff. Warum? Weil ich glaube, dass die Art, wie wir diesen Begriff heute anwenden und was wir damit einfordern, sehr viel aussagt über die Veränderungen in unserer Gesellschaft.
Eigenverantwortung wird heute von den Politikern eingefordert, an den einzelnen Bürger gerichtet, der dazu anzuhalten ist, selbst für sich zu sorgen. Der Einzelne muss für sich selber denken.
Das ist nicht falsch. Aber doch irgendwie verheerend: Mit der Eigenverantwortung schwimmt die Selbstverwirklichung mit: Wer niemandem auf der Tasche liegt, kann daran denken, sich selbst zu verwirklichen. Die eigene Gelenkigkeit und Cleverness erlaubt die Verwirklichung von Lebensmodellen mit Lebensabschnittspartnern, bis man von den eigenen Vorstellungen eingeholt wird und die einen schon wieder viel weiter hinaus denken, zum nächsten "Soll", das man dank seiner Freiheit erreichen will.
Wie schal und dumm wir doch geworden sind. Eigenverantwortung - das setzte man vor dreissig Jahren noch gleich mit dem persönlichen Beitrag an die Gemeinschaft. Eigenverantwortung meinte den eigenen Beitrag an Staat, Gesellschaft, Demokratie, Kirche, Nachbarschaft.
Ich glaube, dass wir in nichts so sehr an Armut hinzu gewonnen haben wie bezüglich des Zustands unserer Mikrowelten: Nachbarschaftsleben, Dorfgemeinschaft, Vereinswesen, Quartierbeiz, Clubhaus.
Stattdessen Schrebergarten mit Zäunen, Grosse Fernseher und geschlossene Türen, Internet statt Spaziergang, Monolog statt Dialog.
Wir leben in Kunststoff und Teer und organisieren uns die Welt herbei, die wir Zivilisation nennen und die Wachstum mit Fortschritt verwechselt. Wenn wir uns daran zu erinnern versuchen, woher wir kommen, was an uns natürlich wäre, so beschäftigen wir uns mit einer Welt, die längst gerne ohne uns wäre. Darob kann man schon verzweifeln. Oder sich trösten: Eines Tages ist Ruhe. Und neuer Kompost wird werden.
Thinkabout - 2010.07.22, 18:48
Komisch, eigentlich sind diese Kerle doch am Pokertisch zuhause. Aber dafür sind sie wohl zu unehrlich geworden und tummeln sich jetzt nur noch in Banken und Aktiengesellschaften.
Ein Abzocker ist doch einer, welcher andere übers Ohr haut und entsprechend (un-)gehörig blufft. Ich glaube, es würde uns noch zusätzlich bekümmern, wenn wir ein Gefühl dafür bekämen, dass diese Abzocker sich selbst ganz anders sehen. Sie finden nämlich, dass sie verdienen, was sie bekommen. Und dies nicht etwa, weil sie so abgefeimt wären, wie wir es uns selbst gar nicht vorstellen können. Nein. Im Grunde sind sie Kinder der gleichen Gesellschaft wie wir. Sie glauben an das, was man uns selbst auch immer predigt und von dem wir ein Teil sind, so sehr, dass wir tatsächlich meinen, wir würden deswegen ernst genommen: Diese Herren glauben an und sehen sich als Teil des Marktes:
Was sie verdienen, verdienen sie wirklich . Sie haben einen Marktwert. Und wenn dieser nicht zahlt, der andere würde sicher zahlen. Und falsch liegen sie damit nicht. Warum das so ist?
Weil die Gierigien (also auch jene unter den Abzockern, welche wirklich das Talent zum Halunken haben) mit vollen Taschen jene Gierigen hinter sich wissen,welche ihre Taschen auch so voll kriegen wollen.
Und deswegen verdienen Kundenberater eben so viel, wie die Kunden in ihrem Rücken wert sind. Und die Konzernspitzen? Die Industriekapitäne, die als Manager mit goldensten Fallschirmen von Risiken reden? Auch sie sind Teil eines Marktes.
Und gegen den kommen wir nicht an. Er ist nicht greifbar. Aber allgegenwärtig. Wir sind als Konsumenten alle dieser Markt. Und wir würden wohl erschrecken, würde uns wirklich einmal aufgezeigt, wieviel Geld in unsere Beeinflussung investiert wird - und wie sehr wir mit unseren Verhalten mit ein Grund dafür sind, dass sich andere fühlen können wie die Masters of the Universe.
Wir drehen alle ein Rad mit, das die Welt nicht braucht. Und wir auch nicht für den Unterhalt unserer wirklichen Bedürfnisse.
Im Grunde also gibt es nur die eine grosse Abzocke:
Wir zocken uns die Natur aus unserem Leben und die Welt wird sich irgendwann ohne uns weiter drehen. Denn eines ist klar: Am Ende gewinnt die Bank. Nur im Film mag das einmal anders sein. In der Realität aber hat die Welt das Sauerstoffmonopol, während uns die Luft ausgehen wird.
Thinkabout - 2010.03.16, 16:41
Der Versuch, eine Leistung zu beziffern. Selten gelingt er. Das Resultat ist zu tief oder zu hoch, je nach Standpunkt. Vielleicht ist er deshalb auch meist ein großes Geheimnis. Kaum einer kennt ihn, den Lohn des Nachbarn, des Kollegen. Vielleicht deshalb, weil wir selbst doch glauben, dass dieser scheiternde Versuch, siehe oben, eben doch etwas aussagt?
Natürlich tut er es. Eigentlich glauben wir doch an fast nix anderes, oder? Auf jeden Fall könnte man es meinen.
Dabei ist Lohn die viel anständigere Variante als der Bonus. Im Lohn enthalten ist das Grundverständnis, dass er gerecht ist. Zumindest für die, welche oben stehen. Schon oben stehen und da bleiben wollen.
In der Schweiz werden hohe Löhne bezahlt. Dafür sind alle Sachen auch zu teuer. Das muss geändert werden. Mit Wechselwirkungsgefahr. Diesen Wirkungen denken wir allerdings meist ein bisschen hinterher. Ist ja aber auch eine Crux damit. Ohne Lohn kann man nicht leben, aber sehr wohl arbeiten. Man kann den Lohn, ist man trotzdem satt, ja durchaus auch in anderen Dingen als Geld sehen. Das macht dich dann irgendwie unabhängig und unter Umständen doch zufrieden.
Der Mann tut das meist freiwillig, wenn er sich, zum Beispiel, in einem Verein engagiert und dort sein hohes Renommé verdienstvoll der Allgemeinheit zur Verfügung stellt. Die Frau tut es gutwillig, ist dabei aber weniger frei, wenn sie sich selbstverständlich für die Familie engagiert und die Kinder erzieht. Dabei weiss sie, welchen Wert ihre Arbeit hat - zumindest zu Beginn, und das Glück, das zurück kommt, ist eindeutig und mit nichts vergleichbar. Aber mit dem Lohn, der in keinem Arbeitsvertrag steht, ist es so eine Sache. Er hat keine Garantieleistungen. Man kann ihn sich sehr wohl auch selbst kündigen. Plötzlich sieht man sich nicht mehr so sehr auf der Gewinnerseite. Die Aufwendungen für den Lohn sind grösser, als gedacht, oder man vermisst an seinem Lohn das, was andere in dem ihren mit enthalten glauben: Eine Art öffentliche Anerkennung. Die Arbeit der Krankenschwester wird respektiert. Davon hat sie zwar nicht mehr im Geldsäckel, aber immerhin. Und die Mutter, die Familienmanagerin, das handwerkliche Genie und die Führungspersönlichkeit, welche Lehrer, Ausbildner, Erzieher und Seelsorger in einem ist? Sie sollte sich immer auch Zeit für das persönliche Lohngespräch mit sich selber nehmen.
Thinkabout - 2010.03.10, 13:01
Begeisterungsfähig sein, bedeutet enthusiastisch sein. Ich lasse mich anstecken von einer Idee, kann mich begeistern und brenne dann dafür. Ich will etwas tun, bringe mich ein und renne vielleicht gar voraus, auf jeden Fall aber hinterher. Die Begeisterungsfähigkeit ist jung. Sie lässt sich wecken, sie ist Energie, welche freigelegt wird, entzündet. Sie ist voller Kraft, fragt nicht nach dem Morgen, nicht nach den Hindernissen. Begeisterungsfähigkeit ist jetzt, schimpft Vorbehalte kleinmütig und glaubt daran, dass die Zukunft ihr und der Idee gehört. Begeisterungsfähigkeit kann einer Idee, einer Sache genau so gelten wie einer Person. So schnell, wie sie gekommen ist, so schnell kann sie verglüht sein. Begeisterungsfähigkeit ist kein Langstreckenläufer. Sie kann verpuffen, sie vergibt sich manchmal auch vorschnell nach verschiedenen Seiten. Die B. ist verschwenderisch, sie teilt ihre Kräfte nicht ein. Sie ist grosszügig, laut und manchmal auch vorschnell.
B. hasst die Relation, die Relativierung, das "ja aber". Begeisterungsfähigkeit will vielmehr ansteckend sein, nimmt mit, wen und was sie kriegen kann, aber sie ist kein guter Streiter mit Argumenten. Der Begeisterte will nicht überzeugen: Wer überzeugt werden muss, hat nicht das gleiche Feuer, ist nicht Freund, höchstens Unterstützer im Hintergrund. Begeisterte sind Fans. Sie glauben, und mehr Wissen brauchen sie nicht.
Begeisterungsfähigkeit hat immer etwas Naives, der Bauch triumphiert über den Kopf, welcher Argumente, wenn übehraupt, erst im Nachhinein liefern soll. Dafür, natürlich.
Die B. weckt aber auch eine Energie, ohne welche Vieles gar nicht versucht würde. Aber sie braucht für ihr Ziel Freunde, welche den langen Atem spenden, wenn die Schnellkraft der Muskeln weg und diese übersäuert sind. Die B. braucht Brüder und Schwestern, welche die Idee tragen, weil sie sich zuvor eingestanden haben, dass ohne die Begeisterten das aufrichtige Anliegen gar nie hinter die eigenen Vorbehalte gedrungen wäre.
Thinkabout - 2010.02.21, 16:41